Protokollband Nr.23 - Jahr 2003

Description


Der Beitrag „Innenraumluftverunreinigungen – Ursachen und Bewertung" (Dr. Lothar Grün, eco-Luftqualität und Raumklima GmbH, Köln) benennt gefahrenstoffhaltige Materialien und erläutert die Richtwerte zur Bewertung von Innenraumluftverunreinigungen. Die Prüfung und Bewertung von Bauprodukten als Quellen und Ursachen von Innenraumluftverunreinigungen wird erläutert. Auch auf nutzungsbedingte Luftverunreinigungen wird eingegangen. „Raumluftqualität in Passivhäusern" (Uwe Münzenberg, Jörg Thumulla; AnBUS e.V., Fürth) stellt die Messergebnisse von vier Passivhäusern in massiver Bauweise vor, die über einen Zeitraum von zwei Jahren auf das energetische Einsparpotential und die Qualität des Raumklimas untersucht wurden.

Dabei wurden u.a. das Auftreten von Flüchtigen Organischen Verbindungen (VOC), Schimmelpilzsporen, Radon und die Luftionenkonzentration untersucht. Die Untersuchungen belegen die sehr gute Raumluft dank des Einsatzes einer Lüftungsanlage, insbesondere im Vergleich zu Gebäuden mit Fensterlüftung. „Olfaktorische Bewertung der Innenraumluftqualität" (Johannes Kasche, Hermann-Rietschel-Institut, TU Berlin) behandelt die Grundlagen der Bewertung von Raumluftqualität und erklärt die Begriffe „Olf" und „Dezipol". „Lufthygiene im Passivhaus" (Dr.-Ing. Rainer Pfluger, Passivhaus Institut) geht auf die Dimensionierung der hygienebezogenen Luftwechselrate im Passivhaus ein.

Aus hygienischer Sicht wird erläutert, worauf bei Planung, Ausführung und Betrieb des Außen-/ Zuluftkanalnetzes (Außenluftansaugung, Frostschutz, Filter), des Zentralgerätes, der Zuluftkanäle sowie des Abluft- / Fortluftkanalnetzes besonders zu achten ist. „Konsequenzen für die Wohnungslüftung" (Dr. Wolfgang Feist, Passivhaus Institut) zeigt die Bedingungen für Innenoberflächen ohne Feuchteschäden auf. Andere Innenraumluftverunreinigungen werden benannt und Schlussfolgerungen für die Passivhauslüftung daraus gezogen. „Wirkung von Position und Art der Lüftungsöffnungen auf den Schadstoffabtransport" (Jürgen Schnieders, Passivhaus Institut) untersucht verschiedene Arten und Positionen von Zu- und Abluftventilen.

Durch numerische Simulation der Schadstoffausbreitung im Raum wird deutlich, dass bei den geringen Luftmengen, die in Passivhäusern eingebracht werden, die Positionierung der Zuluftelemente für den Schadstoffabtransport in den meisten Fällen von untergeordneter Bedeutung ist. „Messung der Raumluftströmung mit Hilfe von Indikatorgasanalyse" (Oliver Kah, Passivhaus Institut)zeigt, dass mit der Indikatorgas-Technik vielfältige Messaufgaben verfolgt werden können, dazu zählen die Bestimmung des Luftwechsels, des Luftalters und der Lüftungswirksamkeit. Bei Luftalter-Messungen und der experimentellen Ermittlung der Lüftungswirksamkeit ist die Indikatorgas-Messung die einzige praktisch verfügbare Methode zur quantitativen Beurteilung. Bei den untersuchten Passivhaus-Wohnungslüftungen waren alle Räume in die Luftführung gut integriert, die lokalen Luftalter unterschiedlicher Räume wiesen kaum Unterschiede auf. „Lüftungsstrategien und Planungshinweise" (Jürgen Schnieders, Passivhaus Institut) zeigt, dass die kontrollierte Wohnungslüftung in Passivhäusern der Fensterlüftung in Bezug auf Schadstoffabfuhr und Energieverbrauch weit überlegen ist.

Um eine optimale Lüftung zu erreichen, sind einige Leitlinien zu beachten, z.B. eine sehr gute Luftdichtheit und ausreichend große Überströmöffnungen. Bei Gebäuden, in denen nur Fensterlüftung möglich ist, wird eine mehrmalige tägliche Stoßlüftung empfohlen (mindestens 4-mal); gewisse Einbußen beim Komfort, der Luftqualität und den Heizkosten müssen bei Fensterlüftung in Kauf genommen werden. „Empfehlungen zur Lüftungsstrategie" (Dr. Wolfgang Feist, Passivhaus Institut) fasst die zentralen Erkenntnis der Arbeitskreissitzung zusammen:

Die balancierte Komfortlüftung mit Wärmerückgewinnung hat sich im Passivhaus bewährt und sich gegenüber Nutzungsfehlern als sehr tolerant erwiesen. Dazu gibt es gute subjektive Noten zur Luftqualität von den Bewohnern. Wichtig ist eine hygienisch einwandfreie Anlagenkonzeption und die gerichtete Durchströmung der Wohnung: Sie ermöglicht eine Sicherstellung der Entfeuchtung. Die Projektierung nach DIN 1946 hat sich bewährt, wobei die Zuluftbedingung entscheidend ist. Die resultierenden (erforderlichen) Luftmengen sind eher gering (0,3 bis 0,4 h^-1)