Protokollband Nr.19 - Jahr 2000

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"Zum Einfluß von Wind und langwelliger Strahlung" (Dr. Wolfgang Feist, Passivhaus Institut Darmstadt) : Beim Passivhaus kann der Heizwärmebedarf durch verdoppelte Windgeschwindigkeiten wieder um ca. 10 % zunehmen, obwohl diese Häuser sehr dicht sind (n50 = 0,3 h-1). Gründe hierfür sind der insgesamt stark reduzierte Energieumsatz im Gebäude und die hohe Effizienz der Lüftungsanlage, wodurch zusätzliche Infiltration von kalter Außenluft sich bedeutend auswirken kann. "Städtebauliche Aspekte von Passivhäusern" untersucht den energetischen Einfluss von städtebaulichen Randbedingungen auf das Passivhaus-Konzept. Je nach Siedlungstyp sind andere städtebauliche Anforderungen zu erfüllen. Die Grenzfälle, bei denen die Umsetzung des Passivhaus-Standards schwierig oder zu aufwendig wird, werden aufgezeigt, gleichzeitig aber auch die konzeptionellen Spielräume, die beim Entwurf von Passivhaus-Siedlungen bestehen. Als Ergebnis wird u.a. nachgewiesen, dass Passivhäuser empfindlich auf die Kompaktheit reagieren und dass eine ungünstige Orientierung der Hauptfassade den Heizwärmebedarf nahezu verdoppeln kann. (Rainer Vallentin, TU München) "Entwurfsaspekte: vom Einzelraum zum Städtebau" (Roberto Gonzalo, Architekturbüro Pollok + Gonzalo, München). Ausgehend vom Einzelraum und den Gebäudeproportionen werden unter Berücksichtigung energetischer Aspekte Grundfragen der Gebäudeorientierung, der Erschließung, des Freiraums und des Umfelds diskutiert. Die "Grenzen des Passivhausstandards" werden exemplarisch bei einem Reihen-, einem Einfamilien- und einem Mehrfamilienhaus aufgezeigt. Mit Hilfe der Programme PHPP und DYNBIL wird der Einfluss der unterschiedlichen Parameter, wie z.B. Dämmstoffdicke, Kompaktheit, Orientierung, Verschattung, Dachform, Fenstergröße etc. untersucht. Es wird deutlich, dass Einfamilienhäuser aufgrund der geringeren Kompaktheit weniger Spielräume besitzen; eine Ost-West Ausrichtung der Fensterflächen ist ungünstiger als eine Nord-Süd-Ausrichtung. Es ist unter fast allen vor-kommenden städtebaulichen Situationen im Prinzip möglich, Passivhäuser zu realisieren. Ausnahmen sind einzig die Situationen, in denen viele ungünstige Parameter zusammenkommen. (Dr. Wolfgang Feist und Dr. Witta Ebel) Das "Modellvorhaben 5-Liter-Haus Wittlich" will am Beispiel von rund 30 Wohneinheiten demonstrieren, dass Endenergieeinsparungen von mehr als 60 % im Vergleich zu Neubauten nach WSVO schon heute wirtschaftlich realisiert werden können. Allein durch die energetische Optimierung des Bebauungsplanes konnten Heizenergieeinsparungen von 20 bis 30% gegenüber der ursprünglichen Planung erzielt werden, ohne dass Mehrkosten für die Bauherren entstanden. (Martin Ploß, bau.werk, Kaiserslautern) "Passivhaus-Technologie im Geschosswohnungsbau" wird am Beispiel des Bauprojektes in Kassel Marbachshöhe verdeutlicht (Prof. Schneider, Architektur & Stadtplanung GmbH Detmold). Das A/V-Verhältnis der Gebäude und die Optimierung des Fensterflächenanteils ist ein wichtigeres Kriterium als die Süd-Orientierung. Die Ost-West orientierten Wohnungen haben einen um nur 2 kWh/(m²a) erhöhten Heizwärmebedarf. Voraussetzung für das Erreichen des Passivhaus-Standards ist das günstige A/V-Verhältnis von 0,36 bzw. 0,45. Wichtig ist auch, dass die Lage und Grösse der Fenster nicht nur nach gestalterischen Gesichtspunkten festgelegt wurde, sondern auch energetisch optimiert sind. "Die Ulmer Passivhaussiedlung "Im Sonnenfeld"" (Carmen Mundorff, Ulm) ist mit 104 Wohneinheiten in verdichteter Reihenhausbebauung und in Doppelhäusern die zur Zeit größte Passivhaus-Siedlung Deutschlands. Da die Stadt Grundstückseigentümerin ist, wird der Transport der Ziele und Inhalte nicht über das Planungsrecht sondern über die Grundstückverkäufe geregelt. Bau - bzw. energietechnische Vorgaben waren: Heizwärmebedarf von max. 15 kWh/(m²a), Primärenergiebedarf von max. 120 kWh/(m²a), keine Direktheizung ausschließlich durch Strom, Verzicht auf leitungsgebundene Energieversorgungsmedien (außer Wasser und Haushaltstrom), je Gebäude ca. 5 m² Kollektorfläche. Die Qualitätssicherung erfolgt u.a. über 5 Prüfungen. Alle Häuser wurden Mitte des Jahres 2000 fertiggestellt. Verschiedene "Rechnergestützte Simulationsverfahren zur solar+energetischen Optimierung städtebaulicher Entwürfe" (Peter Goretzki, Stuttgart) werden vorgestellt, darunter Planungsinstrumente zur Kompaktheit (AVplan), Verschattungsstudien mit CAD oder am Modell, Intensitätsfelder und Fassadenintensitäten (Solcity), Gebäude-Simulationsprogramme (Trnsys, TAS, etc.), städtebauliche solarenergetische Simulationsprogramme (GOSOL) Das durch eine solarenergetische Optimierung erzielbare Energieeinsparpotential liegt bei ca. 5-15 kWh/m²WFa. Bezogen auf die Kosten der Optimierung wird damit immer ein Amortisationszeitraum von nur wenigen Monaten erreicht. "Über ökologische Festsetzungen in der gemeindlichen Planung; insbesondere: Bauleitplanung unter dem Blickwinkel Passivhaus" (Eike Münke, Klaus Zehnder, Regierungspräsidium Chemnitz) untersucht verschiedene Planungsinstrumente, wie den vorbereitenden Bauleitplan (Flächennutzungsplan), den verbindlichen Bauleitplan (Bebauungsplan) und den vorhabensbezogenen Bebauungsplan. Insbesondere bei letzterem können mit städtebaulicher Begründung auch ökologische Festsetzungen getroffen werden, die über den Festsetzungskatalog des § 9 Abs. 1 BauGB hinausgehen. Dies ermöglicht den Planern, einen gegenüber dem herkömmlichen Bebauungsplan weitergehenden Festsetzungskatalog einzuführen. Die Festsetzungsmöglichkeiten beim vorhabensbezogenen Bauplan (vBP) aufgrund des § 12 Abs. 3 Satz 2 BauGB 1998 sind - nach Meinung der Autoren - noch nicht erkannt und ausgenutzt worden.