Protokollband Nr.16 - Jahr 1999

Description


An Anschlüssen und Durchdringungen der Gebäudehülle ist im Allgemeinen der temperaturspezifische Wärmeverlust erhöht: Er übersteigt den Wert, der sich aus der einfachen Summe von Fläche mal Wärmedurchgangskoeffizient (U*A) ergibt. An Kanten und Ecken dagegen fällt dieser Betrag beim Bezug auf das Gebäudeaußenmaß negativ aus. Der Mehrbetrag ist der Wärmebrückeneffekt. Wird der Wärmebrückeneffekt des ganzen Gebäudes 0 oder kleiner, sprechen wir von "wärmebrückenfreiem Konstruieren". Dieser Ansatz kann den Planungsaufwand für Passivhäuser reduzieren. Regeln zur Verringerung von Wärmebrückeneffekten finden sich im ersten Beitrag des Protokollbandes. "Dämmschichten sind so zu planen, dass die gesamte Außenhülle ohne Absetzen vollständig mit einem Stift der Mindest-Dämmdicke (beim Passivhaus 25 cm) innerhalb der Dämmschichten umfahren werden kann." (Dr. Wolfgang Feist) Verschiedene Modelle zur Bestimmung von Wärmebrückenverlustkoeffizienten ? (linienförmige Wärmebrücken) und ? (punktförmige Wärmebrücken) behandelt der Beitrag von Jürgen Schnieders (PHI). Er vergleicht verschiedene Programme zur Berechnung des Wärmestroms und untersucht die jeweilige Rechengenauigkeit. Unbelüftete Hohlräume stellen zusätzliche Anforderungen an die Programme. Beim Vergleich von verschiedenen Normen zeigt sich, dass beide europäische Normen sowohl für unendlich hohe als auch für quadratische Hohlräume gut übereinstimmen. Die Werte der DIN 4108 nähern sich diesen Werten von der sicheren Seite her. Der Beitrag "Wärmebrückenfreies Konstruieren beim Massivbau" (Dr. Wolfgang Feist) beschäftigt sich mit den wichtigsten Anschlußdetails, die jeweils sowohl in einer Schnittzeichnung als auch in einer Isothermenkarte dargestellt werden. Für jeden Anschluß werden Vorschläge für wärmebrückenfreies Konstruieren gegeben. Auch mit dem Betonschalungsstein lassen sich wärmebrückenfreie Anschlüsse leicht realisieren. Jürgen Schnieders zeigt, dass bei den Details von Decken, Wänden und Dächern keine besonderen Schwierigkeiten auftreten. Bei den Bodenanschlüssen ist eine besonders sorgfältige Planung erforderlich. Wärmebrückenfreie Holzkonstruktionen sind bei großen Dämmstärken (30-40 cm) ohne weiteres realisierbar (Gerrit Horn, bau.werk, Kaiserslautern). Außenwanddecken, Decken-, Trauf- und Firstanschlüsse lassen sich wärmebrückenfrei entwickleln, indem der Holzanteil der Konstruktion weitgehend reduziert wird. An Hand der Passivhaus-Siedlung Hannover Kronsberg stellt Enikö Baffia wärmebrückenfreie Reihenhäuser in elementierter Mischbauweise vor. Werden Wärmebrücken sorgfältig reduziert, können sie in der Wärmebilanz vernachlässigt werden. Wärmebrücken, die nicht nach den Regeln des wärmebrückenfreien Konstruierens entworfen werden, führen zu erheblichen Wärmeverlusten und gefährden im schlimmsten Fall sogar den Passivhausstandard. Inhalt: Wärmebrücken Bestimmung von Psi-Werten Grundsätze des wärmebrückenfreien Konstruierens Beispiel Massivbau Beispiel Schalungsstein Beispiel Leichtbau